Dieser Beitrag richtet sich an Stadtwerke, Wohnungsunternehmen und Contractoren, die sich bereits für den Eigenbetrieb ihres Mieterstrom- oder GGV-Projekts entschieden haben und nun die passende technologische und organisatorische Aufstellung suchen. Sind Sie noch unentschlossen, ob Sie selbst Betreiber werden möchten? Im Beitrag „PV-Betreibermodelle für die Wohnungswirtschaft" ordnen wir die verfügbaren Betreibermodelle für Sie ein.
Die Frage taucht immer häufiger auf, sobald Stadtwerke, Wohnungsunternehmen oder Contractoren ein neues Mieterstrom-, GGV- oder Wärmeprojekt planen: Setze ich auf einen modularen Plattform-Ansatz, also eine Software, die ich mit spezialisierten Partnern für Messstellenbetrieb und operative Umsetzung kombiniere oder auf ein All-in-One-Modell, bei dem ein Anbieter die komplette Wertschöpfungskette aus einer Hand liefert?
Beide Wege führen ans Ziel. Die Antwort hängt davon ab, welche Prioritäten ein Unternehmen für sein Energiegeschäft setzt: Geschwindigkeit und Schonung eigener Ressourcen auf der einen Seite, Flexibilität und Datenhoheit auf der anderen. In diesem Beitrag ordnen wir beide Modelle ein und zeigen, wann sich der modulare Ansatz - wie ihn Solarize verfolgt - besonders eignet.
Zwei Philosophien, ein Ziel: Die dezentrale Energiewelt beherrschbar machen
Der modulare Ansatz, den auch wir bei Solarize verfolgen, trennt bewusst drei Ebenen:
- Die technologische Basis (die Software für Messdatenverarbeitung, Abrechnung und Zahlungsmanagement)
- Hardware (Messstellen)
- Kommerzieller Betrieb (Betrieb und Kundenservice, ggf. weitere Dienstleistungen)
Sie entscheiden, welche Partner für welche Rolle am besten passen und behalten mit der Software die Kontrolle über Ihre Daten und Prozesse.
Das All-in-One-Modell:
Bündelt Software, Messstellenbetrieb und Abrechnungsdienstleistung, oder jede Kombination davon, bei einem einzigen Anbieter. Anbieter, die sich in diesem Segment positionieren, setzen auf genau dieses Versprechen: ein Vertragspartner, ein Ansprechpartner, ein System für die gesamte Prozesskette.
Beide Modelle haben ihre Berechtigung. Die folgende Übersicht zeigt, worauf es bei der Entscheidung ankommt.
Die Unterschiede im Überblick
Tabelle als Text anzeigen
| Kriterium |
Modularer Ansatz (Plattform + Partner) |
All-in-One-Modell (Komplettservice) |
| Fokus |
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| Stärken |
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| Worauf Sie achten sollten |
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Wann sich Modularität besonders auszahlt
Wer modular einkauft, hat mehr Flexibilität: Für Messstellenbetrieb und operative Abrechnungsdienstleistungen ist der Markt breit besetzt, während Anbieter, die die gesamte Kette aus einer Hand liefern, selten sind. Wenn Sie Messstellenbetrieb und operativen Betrieb getrennt ausschreiben, vergrößert sich Ihr Bewerberfeld und Sie können Preis, Servicequalität und regionale Abdeckung tatsächlich vergleichen und optimieren.
Entscheidend ist zudem die Breite Ihres Portfolios. Für ein überschaubares, homogenes Bestandsportfolio funktioniert ein fester All-in-One-Partner gut. Sobald Sie in die Breite gehen, etwa Wohnen, Gewerbe und Mieterstrom und Wärme in einem Portfolio über mehrere Regionen, benötigen Sie mehrere Spezialisten gleichzeitig. Genau hier zahlt sich eine Plattform aus, die unterschiedliche Messstellenbetreiber, Zählerarten und Sparten parallel verarbeitet und alle Daten in einem System zusammenführt: Sie behalten einen zentralen Datenstand und setzen je Objektart den Partner ein, der dort am stärksten ist.
Für Stadtwerke und EVUs, die ihr Portfolio über die Zeit erweitern, zahlt sich diese Flexibilität langfristig aus. Für die Immobilienwirtschaft steht dagegen oft die Frage im Vordergrund, wie viel operative Last Sie selbst tragen möchten, während für Contractoren beim Wachstum vor allem die Datenhoheit zählt, um spätere Anbieterwechsel ohne größeren Migrationsaufwand zu meistern.
Die Rolle von Solarize: Das Nebenbuch-Prinzip als Fundament
Solarize positioniert sich bewusst als spezialisierte Plattform und nicht als Komplettservice-Anbieter. Wir liefern die technologische Basis, um verschiedene Stromversorgungskonzepte - Mieterstrom, GGV, Dynamische Tarife - und zukünftig auch Wärmeversorgungskonzepte umzusetzen.
Mehr zur Architektur hinter diesem Best-of-Breed-Prinzip lesen Sie im Beitrag „Mit Best-of-Breed-Architektur die neue Energiewelt beherrschen".
Unsere Software deckt dabei den kompletten Meter-to-Cash-Prozess durchgängig auf einer technologischen Basis ab:
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Messdaten und Tarifierung: Automatisierte Übernahme der Messwerte, Bilanzierung der Stromquellen, Lückenerkennung und Ersatzwertbildung - für ein- und zweitarifige, fixe wie dynamische Strom- und Wärmeprodukte.
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Vertrag, Kunden und Abrechnung: Verwaltung von Privat- und Geschäftskunden sowie vollautomatische Erstellung individualisierbarer Rechnungen inklusive ZUGFeRD, Gutschriften und Lieferketten.
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Zahlungen und Reporting: Automatisiertes Matching der Geldeingänge, Steuerung des Mahnwesens und Berichte für Finanzreporting, regulatorische Meldungen und ESG.
Drei Wege in die Umsetzung
Der modulare Ansatz lässt Ihnen offen, wie viel Sie selbst übernehmen, bis hin zum vollen Komfort einer Dienstleistung ab Tag 1. In der Praxis führen drei Wege zu einem Mieterstrom-, GGV- oder Wärmeprojekt.
Weg 1: Plattform in Eigenregie. Sie lizenzieren die Abrechnungssoftware direkt und entscheiden frei, welche operativen Aufgaben Sie selbst übernehmen und welche Sie extern vergeben. Ihr Vorteil: volle Datenhoheit ab Tag 1, denn Dienstleistungen buchen Sie modular hinzu oder holen sie zurück ins eigene Haus, ohne Migration und ohne Verlust Ihrer Daten.
Weg 2: Plattform über einen Dienstleister. Ihr Abrechnungsdienstleister hält die Lizenz an der Software und wickelt die Abrechnung operativ auf der Plattform ab. Sie nutzen so den Komfort einer Dienstleistung ab Tag 1. Möchten Sie die Abrechnung später inhouse übernehmen, bleibt Ihnen der Systemwechsel erspart: Nötig sind lediglich ein eigener Lizenzvertrag und eine überschaubare Migration aus dem Mandanten des Dienstleisters.
Weg 3: All-in-One aus einer Hand. Ein Anbieter liefert proprietäre Software und operative Dienstleistung im Paket. Bei dieser Variante sind Software und operative Dienstleistung eng aneinander gekoppelt. Ändern sich Ihre Anforderungen an die Dienstleistung oder möchten Sie diesen Bereich umstrukturieren, führt das in der Praxis meist dazu, dass auch das Softwaresystem mit abgelöst wird. Ein Wechsel geht dann zwangsläufig mit einer Datenmigration und einer Neuausrichtung der internen Prozesse einher.
Ein Blick nach vorn: Warum offene Architekturen für KI-Agenten entscheidend sind
Die Diskussion um modulare vs. All-in-One-Architekturen bekommt aktuell eine zusätzliche Dimension: den Einsatz von KI-Agenten in der operativen Betriebsführung. Mit dem Solarize Copilot (Beta) verproben wir aktuell, wie KI-Agenten auf Basis unserer API-first-Architektur konkrete Aufgaben übernehmen können - etwa das Anlegen von Messkonzepten oder die Plausibilisierung von Messdaten.
KI-Agenten benötigen standardisierten, sicheren Zugriff auf Daten und Prozessschritte über strukturierte Schnittstellen, ein Merkmal, das eine API-first-Plattform von Grund auf mitbringt. Geschlossene End-to-End-Systeme, die historisch auf feste interne Prozessketten statt auf offene APIs setzen, müssen ihre Architektur zunächst für eine Agentensteuerung öffnen, bevor sie vergleichbare Automatisierungsstufen anbieten können.
Für Sie als Anwender heißt das: Wer heute auf eine API-first-Plattform setzt, sichert sich nicht nur Flexibilität bei der Wahl operativer Partner, sondern auch einen leichteren Zugang zu den nächsten Automatisierungsstufen - wie sie der Solarize Copilot schon heute ermöglicht.
Fazit
Welches Modell zu Ihnen passt, hängt von Ihrer Wachstumsstrategie ab. Wer mit einem einzelnen Projekt oder einem kleineren, homogenen Wohnungsportfolio schnell starten möchte und die Koordination zwischen Partnern lieber outsourct, findet im All-in-One-Modell einen pragmatischen Einstieg. Wer sein Energiegeschäft langfristig aufbauen, mehrere Sparten – Wohnen, Gewerbe, Wärme – integrieren und die Kontrolle über die eigenen Daten behalten möchte, profitiert von der Flexibilität des modularen Plattform-Ansatzes. In diesem Fall ist Solarize Ihr spezialisiertes, technologisches Fundament, das die Komplexität der neuen Energiewelt abfängt, damit Sie sich auf das konzentrieren können, was Ihr Geschäft wirklich voranbringt.
Sie möchten herausfinden, welches Modell zu Ihrem Portfolio passt?
Sprechen Sie mit unserem Team: wir zeigen Ihnen, wie sich Solarize in Ihre bestehende Systemlandschaft einfügt.
Disclaimer: Auf unserem Blog kommen verschiedene Köpfe unseres Teams zu Wort. Die jeweiligen Artikel geben teilweise die persönliche Meinung der Autoren wieder und nicht zwingend den Standpunkt von Solarize.

Dr. Dirk Legler
Anna Gruner