Strom und Wärme werden für Stadtwerke zunehmend zu zwei Seiten desselben Geschäftsmodells. Wo früher die Photovoltaikanlage auf dem Dach und die Heizungsanlage im Keller getrennte Projekte waren, entstehen heute kombinierte Versorgungskonzepte: Ein Mieterstrommodell liefert den Solarstrom direkt an die Bewohner, über Wärme-Contracting wird parallel die Wärmeversorgung des Gebäudes sichergestellt. Für Eigentümer und Mieter bedeutet das einen Ansprechpartner für beide Energieformen. Für die Stadtwerke bedeutet es ein neues Geschäftsmodell mit zwei Abrechnungslogiken, die sauber zusammenlaufen müssen.
Ein Praxisbeispiel aus der Oberpfalz
Wie das in der Praxis aussehen kann, zeigt das Stadtquartier Milchhof der Stadtwerke Neumarkt i.d.OPf. Auf dem Gelände des ehemaligen Milchhofs entstehen sechs Gebäude mit über 80 Wohn- und Gewerbeeinheiten. Die Dächer tragen PV-Anlagen mit einer Gesamtleistung von rund 190 kWp, deren Solarstrom über ein Mieterstrommodell direkt an die Bewohner geliefert wird. Für die Wärmeversorgung betreiben die Stadtwerke eine komplexe Energiezentrale, in der ein Blockheizkraftwerk, ein Holzpelletkessel und ein Spitzenlastkessel zusammenspielen; ein Pufferspeicher gleicht die Erzeugung aus. Überschüssiger PV-Strom lässt sich zusätzlich über elektrische Heizstäbe per Power-to-Heat-Verfahren in Wärme umwandeln und im selben Speicher vorhalten. Ergänzt wird das Konzept durch eine Ladeinfrastruktur, die ebenfalls vom hauseigenen Solarstrom profitiert.
Technisch und organisatorisch ist das ein anspruchsvolles Projekt: mehrere Energieträger, mehrere Abrechnungslogiken, ein gemeinsames Quartier. Genau diese Kombination wird für Stadtwerke zunehmend zum Normalfall statt zur Ausnahme.
Warum die Abrechnung der eigentliche Engpass ist
Die Idee, Strom und Wärme gemeinsam zu liefern, ist regulatorisch und technisch längst machbar. Der Engpass liegt woanders: in der Abrechnung. Strom- und Wärmelieferung folgen unterschiedlichen Preislogiken, unterschiedlichen Zählerarten und unterschiedlichen rechtlichen Rahmenbedingungen.
Wer beide Prozesse getrennt in Excel oder in zwei unverbundenen Systemen abbildet, merkt das spätestens beim dritten Quartier: Preisänderungen müssen zweimal gepflegt werden, Wärme- und Strommengen liegen in getrennten Tabellen, und jede Abweichung wird von Hand nachgezogen.
Eine gemeinsame Abrechnungsbasis für Strom und Wärme
Genau an diesem Punkt setzt Solarize an. Die Plattform bildet den Meter-to-Cash-Prozess vollständig ab, von der Messdatenverarbeitung über die Tarifierung bis zum Forderungsmanagement. Die Lösung ist erprobt bei der Abrechnung von komplexen Stromprodukten wie Mieterstrom, GGV und dynamischen Tarifen. Nun kommt die Wärmeabrechnung als eigenes Modul hinzu und ergänzt damit die bestehende Abrechnungsplattform.
Das Ziel: Energiecontractoren, die wie im Neumarkter Beispiel Strom und Wärme kombiniert liefern, sollen beide Abrechnungsstränge nicht länger in getrennten Insellösungen pflegen müssen. Die Wärmemengen am zentralen Übergabezähler werden erfasst, mit Preisgleitklauseln tarifiert und abgerechnet, während parallel die Mieterstromabrechnung über dieselbe Plattform läuft.
Was das für die Praxis bedeutet
Projekte wie das in Neumarkt zeigen, wohin sich der Markt bewegt: kombinierte Versorgungsmodelle statt getrennter Strom- und Wärmeprojekte. Stadtwerke, die solche Modelle heute planen oder bereits umsetzen, sollten frühzeitig prüfen, wie die spätere Abrechnung beider Energieträger technisch zusammenlaufen soll, statt diese Frage erst beim Rollout zu stellen.
Haben Sie Interesse an einem Austausch zu unserem neuen Wärmeabrechnungsmodul? Sprechen Sie uns an.
Lukas Böhm