In Deutschland gleicht die Photovoltaik-Pflicht (PV-Pflicht) aktuell noch einem regulatorischen Flickenteppich. Während in einigen Regionen Solaranlagen auf dem Dach längst Standard sind, ziehen andere Bundesländer erst jetzt nach – mit weitreichenden Konsequenzen für das Jahr 2026.
Besonders für überregional agierende Immobilienbesitzer, Projektentwickler und Contractoren ist es eine Herausforderung, den Überblick zu behalten. Wo gilt die Pflicht nur für Gewerbe? Wo schließt sie den Wohnungsneubau ein? Und ab wann wird sogar die Dachsanierung im Bestand zum Auslöser für eine PV-Installation?
Dieser Beitrag gibt Ihnen den vollständigen Überblick über die Solarpflichten der Bundesländer.
| Bundesland | Neubau (Wohnen) | Neubau (Gewerbe) | Dachsanierung (Wohnen) | Dachsanierung (Gewerbe) | Stichtage & Details |
| Baden-Württemberg | Ja | Ja | Ja | Ja | Sanierungspflicht bereits seit Januar 2023 aktiv. |
| NRW | Ja | Ja | Ab 2026 | Ab 2026 |
Sanierungspflicht greift ab 01.01.2026. |
| Nieder-sachsen | Ja | Ja | Ja | Ja | Alle Neubauten & Sanierungen seit Januar 2025. |
| Berlin | Ja | Ja | Ja | Ja | Solargesetz Berlin bereits seit Januar 2023 in Kraft. |
| Hamburg | Ja | Ja | Ja | Ja | Sanierungspflicht bereits seit Januar 2024 aktiv. |
| Bremen | Ja | Ja | Ja | Ja | Neubau-Pflicht greift ab Juli 2025. |
| Schleswig-Holstein | Ab 2026 | Ja | Nein | Ja | Wohn-Neubau wird ab März 2026 pflichtig. |
| Bayern | Soll | Ja | Soll | Ja | Wohnen: Seit Januar 2025 nur unverbindliche „Soll“-Vorschrift. |
| Rheinland-Pfalz | Ready | Ja | Ready | Ja, bei öffentlichen Gebäuden | Wohnen: Seit Januar 2024 „PV-ready“-Vorbereitungs-pflicht. |
| Brandenburg | Nein | Ja | Nein | Ja | Gewerbe/Öffentlich bereits seit Juni 2024 pflichtig. |
| Hessen | Nein | Nein | Nein | Nein | Pflicht nur für landeseigene Gebäude. |
In den Bundesländern MV, Sachsen, Thüringen, Sachsen-Anhalt und Saarland besteht aktuell keine PV-Pflicht für private oder gewerbliche Gebäude.
Pflichtstatus: Umfassende Solarpflicht für Neubauten (Wohn- und Nichtwohngebäude) und Dachsanierungen
Ausnahme: Wirtschaftliche Unzumutbarkeit oder technische Unmöglichkeit
Pflichtstatus: Derzeit Pflicht nur für landeseigene Gebäude und Parkplätze mit > 50 Stellplätzen (bei landeseigenen Parkplätzen ab 35 Stellplätzen)
Private Wohn‑/Gewerbegebäude: aktuell keine allgemeine Pflicht
Pflichtstatus: Keine Solarpflicht; Installation von PV derzeit freiwillig
Pflichtstatus: PV-Pflicht für alle Neubauten (Wohn- und Nichtwohngebäude) und Dachsanierungen (dazu zählen auch Aufstockungen und Anbauten) ; auch Parkplätze ab 25 Stellplätzen betroffen
Anforderungen: Mindestens 50 % der Dachfläche müssen bei Dächern ab 50 m² mit Photovoltaik belegt werden
Einführung: PV-Pflicht für alle Neubauten (Wohn- und Nichtwohngebäude); Parkplätze ab 35 Stellplätzen
Anforderungen: Mindestens 30 % der Bruttodachfläche sind mit PV zu bedecken
Pflichtstatus: Solarpflicht für öffentliche und gewerbliche Neubauten und größere Dachsanierungen (mindestens 60 % Photovoltaik bei Flächen mit mehr als 100 m²). Bei neu gebauten Parkplätzen ab 35 Stellpätzen müssen mind. 60 % der Fläche mit Solaranlagen überdacht werden.
Pflichtstatus: Keine Solarpflicht; PV‑Installation freiwillig
Pflichtstatus: Keine allgemeine PV‑Pflicht für Wohn‑ oder Gewerbegebäude
Pflichtstatus: PV-Pflicht bei Neubauten (Wohn- und Nichtwohngebäude) und bei Dach-Sanierung von Nichtwohngebäuden ( wenn mehr als 10 % der Fläche saniert werden); Parkplätze ab 70 Stellplätzen pflichtig
Ausnahme: Solarthermie ist/wird installiert
Wohnneubauten: Verpflichtung ab dem 29.März 2026 (mit Übergangsregelungen für vorher gestellte Bauanträge)
Rechtsgrundlage: Energiewende- und Klimaschutzgesetz
Pflichtstatus: Keine Solarpflicht; Installationen freiwillig
2026 ist die Solarpflicht in Deutschland kein Nischenthema mehr. Besonders relevant sind dabei drei Muster:
Während die frühen Regelungen oft zuerst auf Nichtwohngebäude zielten, werden inzwischen in vielen Ländern auch Wohnneubauten und Bestandsgebäude bei Dachsanierungen einbezogen.
Gerade für Bestandshalter ist das entscheidend: Die Pflicht greift häufig nicht nur beim Neubau, sondern auch dann, wenn ein Dach wesentlich erneuert wird. Damit wird die PV-Integration zunehmend Teil der langfristigen Instandhaltungsstrategie.
Begriffe wie „Soll“ oder „Ready“ zeigen, dass die Regelungsintensität variiert. In manchen Ländern besteht eine echte Installationspflicht, in anderen eher eine Vorbereitungspflicht oder eine weniger strikte Vorgabe.
Für Immobilienbesitzer und Projektverantwortliche empfiehlt sich ein dreistufiges Vorgehen:
Prüfen Sie, in welchen Ländern sich Ihre Objekte befinden und welche Regelungen dort für Neubau, Bestand und Dachsanierung gelten.
Tipp: Einige Bundesländer erlauben neben der direkten Dachfläche die Installation der PV-Anlage in der näheren Umgebung des Gebäudes.
Besonders im Bestand sollte jede geplante Dachsanierung frühzeitig daraufhin geprüft werden, ob dadurch eine PV-Pflicht ausgelöst wird.
Auch wenn dieser Beitrag den regulatorischen Fokus hat, ist klar: Die Pflicht sollte nicht isoliert gedacht werden. Wer früh plant, kann technische Auslegung, Betreiberkonzept und Wirtschaftlichkeit deutlich besser aufeinander abstimmen. Zum passenden Betreiberkonzept beraten wir Sie gerne.
Das Jahr 2026 bringt vor allem in großen Märkten wie NRW und Schleswig-Holstein neue, harte Fristen. Für Immobilienbesitzer bedeutet das: Die Photovoltaikanlage rückt endgültig von einer optionalen Investition in das Zentrum einer zukunftssicheren Immobilienstrategie.
Doch die PV-Pflicht muss kein reiner Kostenfaktor sein. Im Gegenteil: Wer ohnehin bauen muss, hat die einmalige Chance, durch intelligente Stromvermarktung neue Erlösströme zu generieren.
Wie Sie mit Modellen wie Mieterstrom oder der Gemeinschaftlichen Gebäudeversorgung (GGV) die Solarpflicht wirtschaftlich lukrativ umsetzen und die Rendite Ihrer Immobilie steigern, erfahren Sie in unserem ergänzenden Blog-Artikel.
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